
Eine Zumutung - Das Buch ist sprachlich eine Zumutung. Selbstverständlich hat eine Wissenschaft das Recht, komplizierte Dinge kompliziert auszudrücken, aber Luhmann hat es übertrieben.Hinzu kommt, dass sein Ansatz auch nicht unbedingt zwingend ist. Beispielsweise verwendet er den Begriff der Autopoiesis aus der Biologie, der dort einen ganz bestimmten Sinn hat, nun für seine Zwecke und damit leider ganz anders. Das, was die Autopoiesis eigentlich ausmacht, wurde mit dem Menschen in die Umwelt delegiert.
Einflussreiches Werk der Systemtheorie - Sinn ist überall in der Welt. Die Gesellschaft besteht aus Kommunikation, nicht aus Menschen. Ziel der Kommunikation ist nicht Konsens, sondern Fortsetzung der Kommunikation. Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme ist nicht nur abstrakt, sondern wirkt auf den ersten Blick auch recht exotisch. Seine Thesen waren eine Provokation für die traditionelle Soziologie - und Anstoß für weitere Forschungen auf den unterschiedlichsten Gebieten. Soziale Systeme, die Grundlage von Luhmanns Systemtheorie, ist eine Herausforderung für mutige Leser, die sich von hochtheoretischen Texten nicht abschrecken lassen. Wer das Buch nicht gleich nach den ersten Abschnitten wieder zur Seite legen möchte, muss einiges auf sich nehmen: Luhmann verwendet alltägliche Begriffe ganz selbstverständlich in neuer Bedeutung und gibt sich wenig Mühe, seine Theorie sprachlich klar und übersichtlich darzustellen. Dafür aber bietet er dem Leser eine völlig neue und ungewohnte Perspektive auf scheinbar Bekanntes. Dieses Buch ist kein Lesevergnügen, aber ein aufregender Blick über den Tellerrand altgewohnter Denkmuster.
Es gibt Systeme ! - - so Luhmanns Grundannahme. Das wirkt erleichternd in einer so komplexen Welt. Ist es aber nicht, wie L. in langwierigen, komplizierten Begriffsmeditationen beweist. Die Differenz Umwelt/System scheint mir eine nützliche. Auch den Menschen nicht zum System, sondern zu dessen Umwelt gehörig zu erklären.Dies ist durchaus eine Aufwertung des Menschen (und keine Abwertung, wie Luhmann zT unterstellt wird), denn Systeme lassen sich vielleicht erklären, nicht aber die Umwelt. Das beweißt, den Erfolg der Grünen und der CDU in Deutschland.Erstere, weil sie diesen Umstand erkannt haben, die zweiten, weil sie eine laisse-faire Politik betreiben(der nur böse Zungen wirtschaftsgläubigkeit unterstellen, in Wahrheit tun sie(gewissenlos hin oder her): gar nichts). Die SPD dagegen rechnet den Menschen fälschlicherweise dem System zu und muß eine Wahlpleite nach der anderen einstecken, weil Soziale Gerechtigkeit (hier erlaube ich mir ein: leider) nicht mehr als sozial empfunden wird.
Systemtheorie und Belletristik - Für die Uni sollte ich es lesen. Für meine mündliche Nebenfachprüfung. Die Voraussetzungen, um Vergnügen und Entspannung zu finden standen also äußerst schlecht. Nach und nach, Kapitel für Kapitel fand ich aber Gefallen an den logischen und doch tiefgehenden Gedankengängen eines Niklas Luhmann. Und liest man aufmerksam wird man zwischen den Zeilen einen unendlichen Wortwitz, eine regelrechte Sprachverliebtheit und Verweilen im Detail finden. Luhmanns Theorie sozialer Systeme ist übrigens auch seine Fußnoten wert - die man üblicherweise gerne bei Pflichtlektüren überspringt. Aber gerade hier versteckt Luhmann bekanntlich seine gewitztesten Anmerkungen. Wenn er zum Beispiel über die Gefährlichkeit von Moralisierungen gerade in Intimbeziehungen schreibt, merkt er in einem kurzen Satz an, dass schon Schriftsteller des 19. Jahrhunderts gefordert haben, dass die Frau den Mann auch mit seinen moralischen Defekten lieben solle. Während sich die umgekehrte Tatsache erst wesentlich später einstellte. Prägnant, spitz, man würde gern mit ihm plaudern - wenn man noch könnte.