Soziologische Theorien : Die Ordnung des Diskurses. ( Fischer Wissenschaft).

Die Ordnung des Diskurses. ( Fischer Wissenschaft).

EUR 8,95


Foucaults Inauguralvorlesung - Foucault entwirft hier noch mal in sehr knappen Zügen die wesentlichen Bedingungen seines Denkens. Auch dieses Buch dürfte uneingeweihten Lesern fremd klingen, zu neu, zu fern ist hier die Art, die Kultur zu betrachten.Ralf Konersmann steuert dem Buch einen Essay bei, der einige der Probleme, die man mit Foucault haben kann, beleuchtet und verständlicher macht.Es ist leicht, sich von Foucaults wundervoller Sprache in den Bann ziehen zu lassen. Umso schwieriger ist es, aus diesem Sprechen ein Modell zu ziehen, mit dem man selbst arbeiten kann und mit dem man den Spuren des Foucaultschen Denkens in der Praxis folgen kann. Denn Foucault will gerade nicht der Vernunft neue Fesseln auferlegen, sondern zu jener Beweglichkeit verhelfen, in der das Denken noch ganz Spiel ist, noch ganz ein lebendiges Verhältnis zu einem wilden Außen hat. Die Ordnung des Diskurses bietet hier eine gute Möglichkeit, einen Einstieg in dieses offene und zugleich strenge Denken Foucaults zu finden. Wer sich mit Foucault beschäftigen möchte, wird bei diesem Essay nicht stehen bleiben dürfen - dazu zeigt er zu wenig auf, wie Foucault selbst mit seinen Methoden an konkrete Situationen herantritt -, aber immer wieder auf ihn zurückgreifen können. Es ist ein großartiger Essay, klug, verspielt, faszinierend.

Der Wille zur Wahrheit ist der Wille zur Macht - Kein Denker entzieht sich so konsequent jedweder Kategorisierung, und hat doch einen größeren Einfluss auf die Ideengeschichte der Nachkriegszeit gehabt, als Michel Foucault. Psychiatrien, Krankenhäuser, Gefängnisse, Sex, vieles war Analyseobjekt seiner Schriften, doch keiner weiß so wirklich, wofür dieser Mensch eigentlich stand: Postmoderne, Poststrukturalismus, Post-Weiß-Der-Henker-Was?Die Ordnung des Diskurses ist der Titel von Foucaults Antrittsvorlesung am Collège de France am 2. Dezember 1970 und gleichzeitig die beste Einführung in das Werk dieses Denkers überhaupt. Denn wenn es ein gemeinsames Bindeglied zwischen seinen Schriften gibt, dann sind es die Begriffe Diskurs und Macht und darauf konzentriert er sich auf den nur knapp 40 Seiten, die dieser Vortrag einnimmt.Was ist der Diskurs? Foucault wäre nicht Foucault, wenn er eine glasklare Antwort auf diese Frage geben würde. Doch wird dieses Konzept hier deutlicher umschrieben als irgendwo sonst: Was ist denn im Willen zur Wahrheit, im Willen, den wahren Diskurs zu sagen, am Werk, wenn nicht das Begehren und die Macht (17). Man muss sich also innerhalb des Diskurses bewegen, um Macht ausüben zu können. Der Diskurs ist dementsprechend Grundvoraussetzung zur Machtkontrolle und somit selbst die alles beherrschende und kontrollierende Macht.Den Diskurs selbst beschreibt Foucault als die Macht, die bestimmt, was zu einem bestimmten Zeitpunkt gesagt werden darf. Er ist also nicht in erster Linie Inhalt, sondern vielmehr Voraussetzung zu dem, was überhaupt zu einer gewissen Zeit an einem gewissen Ort artikuliert werden kann. Foucault gibt folgendes Beispiel: Mendel hatte mit seiner Annahme, dass Gene die Träger von Erbmerkmalen sind, recht. Heute wissen wir das. Doch seine Zeitgenossen nahmen ihn nicht ernst: Mendel sagte die Wahrheit, aber er war nicht im Wahren des biologischen Diskurses seiner Zeit (25). Es genügt also nicht, im Recht zu sein. Man muss diese Wahrheit so formulieren, dass sie sich innerhalb der vom Diskurs vorgegebenen Rahmenbedingungen bewegt.Ferner analysiert Foucault die Ausschlussmechanismen, die die Produktion des Diskurses regulieren: Verbote, die Unterscheidung zwischen Vernunft und Wahnsinn, die Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch. Dies geschehe mit Hilfe von Institutionen wie Psychiatrien und Gefängnissen, in denen diskursuntreue Individuen für verrückt erklärt oder weggesperrt würden.Fazit: Foucault ist immer noch faszinierend und ungemein hilfreich, Machtmechanismen in unserer Gesellschaft erkennen zu lernen. Die Ordnung des Diskurses ist der beste Ausgangspunkt für alle, die sich in das Denken Foucaults einleben möchten. Der beigefügte Essay von Ralf Konersmann bietet eine sinnvolle Unterstützung zur Annäherung an den Text.

Von Verwerfungen und Verwirrungen - Foucault zu verstehen fällt- mir zumindest- die meiste Zeit ziemlich schwer. Seine Kategorien sind mir oft unverständlich, seine Argumentationen kann ich schon vom Ansatz her nur unter Mühen nachvollziehen. Im Wirrwarr genialen (?) Denkens bietet Die Ordnung des Diskurses allerdings einen guten Haltepunkt. Foucault präzisiert hier das, was für ihn den Diskurs bestimmt, zeigt Mechanismen auf, die ihn lenken und die er wiederum selbst lenkt. Der Stand des Individuums ist ebenso Thema. Dabei blieb für mich dieser Diskurs immer ein bisschen obskur, immer schon vorausgesetzt, eingesetzt, aber nicht ausdefiniert. Dennoch: Foucaults präzise Analysen bieten bei aller Abstraktion eine Basis für zahlreiche Anwendungen, Soziologie, Geschichts- und Literaturwissenschaft sind nicht die einzigen, die von seinen Vorarbeiten profitieren. Gründlich erarbeitet, bietet dieses schmale Bändchen (auf knapp 50 Seiten beschränkt sich der eigentliche Text der Antrittsvorlesung) viel Stoff zum Nach- und Weiterdenken.

Kafka s Zögern vor der Geburt - F. denkt Diskurse. Und hat Angst in sie einzusteigen.Was wir auch sagen, ist immer schon gesagt und Teil eines Diskurses.F. nun überlegt, von wem die Diskurse gesteuert werden und wie man sie beeinflussen kann.Wer hat die Macht über die Diskurse?Gibt es ein Außerhalb von Diskursen?Diese Fragen stellt er sich.Zudem wünscht er sich die Realität(samt ihrer Brüche und Plötzlichkeiten(Unvorhersehbarkeiten)) besser mit in die Diskurse aufgenommen.Dies geht, so nehme ich an, auf F. s Heideggerlektüre zurück.Am Abschluß seiner Rede huldigt F. Hegel und Jean Hippolyte, in dem er seltsamerweise so etwas wie eine Vaterfigur sieht. (Vielleicht den Vater, den er nie hatte).Ein merkwürdiger Text. Zum Einstieg? Sicher besser geeignet, als F. s großer Theorietext Die Archäologie des Wissens.

Die Welt als Text - Das Leben als Text. So erscheint es jedenfalls in Michel Foucaults Vorlesung, die er anläßlich seiner Berufung an das Collège de France hielt. Es geht ihm um die Frage, wie das einzelne Subjekt als Teil eines Diskurses zu fassen sein könnte. Diskurs definiert er als eine Erkenntnispraxis, als das a priori, von dem Menschen bei ihrem Sprechen und Denken ausgehen. Und sprechen ist danach auch gleichzeitig immer Handeln. Jede Äußerung stabilisiert oder modifiziert den Diskurs, in dem alles gedacht wird, gleichzeitig modifiziert und stabilisiert der Diskurs alles, was gesagt und getan wird. Dieser dialektischen Beziehung ist Foucault auf der Spur. Das weist ihn als einen Denker der Postmoderne aus, insofern er nicht mehr - wie das Denken der Moderne und letztlich alle Philosophie - vom Subjekt ausgeht, das Subjekt ist aufgelöst, der Mensch lebt und agiert nicht mehr, als er gelebt und agiert wird. Und als einen Anhänger des Post-Strukturalismus, da er Sprache und Bedeutung - oder eher den Versuch dazu - als Kern menschlichen Lebens auffaßt. Ergänzt werden Foucaults Überlegungen durch einen Essay von Ralf Konersmann, der noch einmal Grundpositionen von Foucaults Denken aufzeigt und versucht, den vorliegenden Text in dessen Gesamtwerk zu verorten. Damit ist das Buch auch ein sehr guter Einstieg in Foucaults komplexe Philosophie. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)




Die Ordnung des Diskurses. ( Fischer Wissenschaft).